Schon komisch, dachte ich mir als ich gegen 4:00 Uhr morgens bei Michael ins Auto stieg. Nun kehrst du zurück zu deinen Anfängen im technischen Tauchen. Zum Wracktauchen. Wegen diesem alten Eisen habe ich mal mit dem technischen tauchen begonnen. Aber irgendwann packte mich das Höhlentauchen und Wracks rückten im weiter in den Hintergrund. Jetzt bist du innerhalb eines halben Jahres schon auf der zweiten Wracktour schwirrte so in meinem Kopf herum. Bin mal gespannt wie es diesmal wird.

… und es sollte gut, ja sogar sehr gut werden.

Gut 1 ½ Stunden nach uns sind dann auch Kai und Andy los gefahren. In Slowenien an einer Tankstelle hatten sie uns eingeholt und die letzten paar Kilometer bis Krnica fuhren wir dann gemeinsam. Aber unser Team war bis jetzt noch nicht komplett. Bernd würde erst am Dienstag um 14:00 Uhr mit dem Flugzeug nachkommen können. Wir sind super gut durchgekommen und waren um 15:00 Uhr an der Basis bei Maurizio (http://www.krnica.com). Ausrüstung ausladen und schon mal die ersten Tauchgänge für den nächsten Tag besprechen. Anschließend fuhren wir noch mit Maurizio zu unserer Unterkunft für die nächsten sechs Tage.

Wer sitzt da am Pool mit seinen Tec 1-Schülern? Natürlich Derk Remmers unser „alter“ Freund. Nach einer herzlichen Begrüßung begannen wir unsere restlichen Sachen auszuladen. Wie sollte es auch anders sein, Kai machte sich bereits in der Küche zu schaffen um uns ein tolles Abendessen zu  präsentieren. Danach ging es früh ins Bett um für die morgigen Tauchgänge fit zu sein.

Erster Tauchtag:

TG 1 – Argo
Der Schiffbruch des Motorbootes ARGO ist eine der schrecklichsten Tragödien, die sich als Konsequenz des zweiten Weltkrieges in der Adria ereignet hat. Die ARGO war ein Kühlschiff welches am 21. Januar 1948 auf eine Mine gelaufen ist. Nur ein Besatzungsmitglied hat überlebt. 11 sind spurlos verschwunden.

TG 2 – Cesare Rossarol Bug
Es war die Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg und die italienische Kriegsmarine beeilte sich mit der Besetzung von Pula, wo die österreichisch-ungarischen Streitkräfte ankerten. Die Cesare Rosarot gehörte zur Klasse der „leichten Aufklärer“. Dies waren leichte und wendige Schiffe. Am schönen, sonnigen Morgen des 16. September 1918 schnitt der Bug des Zerstörers die glatte Meeresoberfläche des Hafens von Pula. Die italienische Flagge flatterte hoch an seinem Heck, als er seinen Ankerplatz verließ. Der Kapitän hatte die schwere Aufgabe das Schiff durch die Minenfelder zu manövrieren. um den Eingang in den Hafen hat die Österreich-ungarische Kriegsmarine 1450Minen auf fünf große Minenfelder verteilt. Es wurde eine 2 Meilen breite Passage offen gelassen. Um 12:45 Uhr erschütterte eine gewaltige Explosion das Schiff. Sie spaltete den Schiffsrumpf. in nur zwei bis drei Minuten verschwand der Bug und das Heck in der Tiefe. 30 Besatzungsmitglieder haben es geschafft an Land zu schwimmen. 98 Seefahrer verunglückten.

Zweiter Tauchtag:

TG 1: – SS Vis
Der Dampfer VIS gehörte zum unternehmen „Oceanija“, das zwischen den zwei Weltkriegen eine bedeutende Handelsflotte besaß. Am Morgen des 13. Februar 1946 ist die VIS nach Rasa in Istrien ausgelaufen, wo sie eine Kohlenfracht einschiffen sollte. Es war stürmisches Wetter und starker Wind. Da mitten in Vela Varta (Durchgang zwischen der istrischen Küste und der Nordküste der Insel Cres) die Minenfelder noch nicht geräumt waren, wurde dem Kapitän befohlen, möglichst nahe an der istrischen Küste zu fahren, wo es einen von Minen geräumten Korridor gab. Gegen 9:30Uhr bei der Einfahrt in die palomino Bucht, ließ eine starke Explosion das Schiff erzittern. Es folgen Rumpf- und Ausrüstungsteile in die Luft. An Steuerbord klaffte ein großes Loch, durch das Wasser ins innere drang. Es gab keine Zeit um die Rettungsboote ins Wasser zu lassen. Drei Besatzungsmitglieder verunglückten tödlich. Die Schiffbrüchigen wurden von einem Motorsegelschiff gerettet.

Dritter Tauchtag

TG 1 – SS Vis
siehe Tauchtag 2

TG 2 – Lina
Die Lina war ein Stahldampfer welcher 1879 in England gebaut wurde. In einer Winternacht am 14. Januar 1914 verlor die Besatzung wegen dichten Nebels die Orientierung während der Fahrt durch Vela Vrata (siehe auch SS VIS). Mit furchtbarer Wucht zerschlug es die Lina auf einem Riff nahe dem Kap Pesen auf Cres. Das Schiff sank schnell. Es ist nicht bekannt, ob es bei dem Schiffbruch Verunglückte gab.

Vierter Tauchtag:

TG 1 – Kalliopi
1941, als der Krieg in ganz Europa tobte und Japan die Eroberung des Pazifiks vorbereitete, entschlossen sich die Amerikaner, das Programm „Liberty“ durchzusetzen. Das Ziel war mehr Schiffe zu bauen als die deutschen U-Boote versenken können. Es wurden 18 neue Werften geschaffen und tausende Arbeiter eingestellt. Die Produktionszeit für ein Schiff konnte auf 20 Tage verringert werden. Unglaublich! Die Schiffe waren 133 m lang, 15 m breit und hatten eine Kapazität von 9146 Tonnen. Der Dampfantrieb hatte eine Leistung von 2950 PS und die Reichweite betrug 21000 Seemeilen.
Im Morgengrauen des 20. Dezembers 1947, das Wetter war gut, befand sich die Kalliopi vor Vela Vrata (sie auch SS VIS und Lina). Gegen 7:00 Uhr löste sich eine gewaltige Explosion und eine Wassersäule schoss aus dem Deck vor den Aufbauten in die Luft. Das Schiff kippt langsam auf die Seite hielt sich aber irgendwie noch über Wasser. Der Kapitän befahl der Besatzung das Schiff zu verlassen. Die Rettungsboote wurden zu Wasser gelassen und die Besatzung hat das sinkende Schiff seinem Schicksal überlassen. Daraufhin ist das Heck vom Rest des Rumpfes abgebrochen und schnell gesunken. Der Bug wurde von der Strömung langsam südwärts getrieben. Als das Meer den Rumpf bis zur Hälfte gefüllt hatte, brach auch dieser auseinander. Mit Hilfe von Fischern aus den umliegenden Dörfern schafften es alle sicher ans Land. Einen verschwundenen griechischen Matrosen konnte man nicht mehr finden. Bei der Abgabe des offiziellen Berichts vor den Behörden bedankte sich der Kommandant mehrmals für die Hilfe der Menschen, die ihnen so selbstlos zur Rettung geeilt waren.

TG 2 – Gorgonien Riff
Ja, halt einfach ein Riff. 😉

Fünfter Tauchtag:

TG 1 – Luana
Das Dampfschiff LUANA wurde 1892 gebaut. Der Rumpf des Schiffes war aus Stahl. die Aufbauten befanden sich in der Mitte. Es hatte zwei Masten und vier Frachtlager. Die Luana hatte alle Unsegen des zweiten Weltkrieges überlebt und danach wieder ihre ursprüngliche Rolle als Frachter angenommen. Am 3. März 1947 lief es mit einer Ladung Bauxit nach Venedig aus. Ungefähr 20 Meilen südöstlich des Kaps von Premantura wanderte es wegen eines Fehlers der Kurs-Kalkulation in eines der vielen Minenfelder und stieß auf eine Mine. Die Explosion hat fast den ganzen Bug ausgerissen, so das die Luana innerhalb ein paar Minuten von der Wasseroberfläche verschwunden war. Die Katastrophe kostete 12 Besatzungsmitgliedern das Leben.

TG 2 – Cesare Rossarol Heck
siehe Cesare Rossarol Bug

Es waren wunderschöne fünf Tauchtage mit einem tollen Team. Danke an die Basis Krnicadive. Und natürlich an Derk für den leckeren Whisky, die lustige, spannende, interessante, ausschweifende und bereichernde abendliche Unterhaltung beim Essen und danach 😬

Team Kroatien 2017: Andy, Bernd, Kai, Holger, Michael

Bericht: Holger